Der Planet Nibiru bzw. Marduk bzw Planet X

Prä Astronautik These

In seinem Buch1) glaubt der Autor Zecharia Sitchin auf alten sumerischen Tafeln Hinweise auf einen zwölften Planeten namens Marduk oder Nibiru (in späteren Büchern nur noch Nibiru genannt) gefunden zu haben. Nach dem Studium diverser sumerischer Schrifttafeln, die durch ihn das erste Mal übersetzt wurden, kam er zu dem Schluss, dass die Sumerer diesen Planeten bereits kannten, da er sich der Erde nur alle 3600 Jahre nähert.

Das Siegel VA2 43 der Vorderasien-Sammlung Berlin
Neue Abrollung des Siegels VA 243: Planet Nebiru ist verschwunden

Aber die Sumerer, so Sitchin, hatten noch mehr zu berichten, z. B. von den Anunnaki, welche von dem Planet Nibiru kommen und von ihnen als Götter verehrt wurden. Diese errichteten mehrere Basen auf dem Planeten, unter anderem in Baalbek und Gizeh, erschufen die Menschen, damit sie Gold abbauen konnten, welches sie so dringend benötigten, um ihre Atmosphäre zu reparieren.

Klassische Erklärung:

Die Rollsiegel aus Vorderasien folgen einem bestimmten Modegeschmack. Zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Gegenden verwendete man unterschiedliche Formen und Darstellungen. Diese Formen entwickelten sich in babylonischer Zeit zu einem festen Repertoire, welches auf den verschiedenen Siegeln abgebildet werden konnte. Was Sitchin hier verschweigt, ist, dass die Darstellung auf dem Siegel keine Sonne, sondern ein Stern ist. Es handelt sich daher nicht um ein dargestelltes Sonnensystem, bei dem die Planeten auch überhaupt nicht in den richtigen Größenverhältnissen wären, sondern um eine einfache Darstellung des Sternenhimmels. Man weiß dies, weil es tausende ähnliche Darstellungen gibt und bei allen Darstellungen klar zwischen Sonne und Sternen unterschieden wird.

Eine sumerische Sonne
Ein sumerischer Stern

Doch was kann dieser Stern bedeuten? Wir haben auf dem Siegel eine sogenannte Einführungsszene. Ein niederer Gott, erkennbar an der Hörnerkrone, stellt einen Menschen einem höheren Gott vor, der auf einem Thron sitzt. Dieser Gott hält einen Pflug in der Hand und gibt sich damit als Ningirsu zu erkennen. Wir haben hier also ein Siegel, welches einen klaren Bezug zu Ackerbau und Fruchtbarkeit zeigt. Weiter bestärkt wird diese Darstellung durch die Ziege, die den Zwischenraum füllt unter dem Textfeld, die kleine Ziege auf dem Arm des Menschen und die Pflanzen zwischen den Personen. Und genau die gleiche Funktion haben der zentrale Stern und die Sterne drumherum. Sie sind Fruchtbarkeitssymbole und stellen die Furchtbarkeitsgöttin Ishtar dar. 2)

Im Endeffekt geht es darum, dass Sitchin behauptet, hier wäre eine Sonne dargestellt, in Wirklichkeit sehen wir hier aber einen Stern. Was man auch bedenken sollte: die Sumerer kannten den Begriff „Planet“ nicht, sie machten keinen Unterschied zwischen Sternen und Planeten, und sie kannten nur die Planeten bis Saturn, dieses Wissen änderte sich bis assyrische Zeit nicht, wie uns die Astrolab B eindrucksvoll zeigt. Erst die Griechen unterschieden Planeten von den Sternen und prägten den Begriff der wandernden Sterne3).

Wir haben also ein akkadisches Siegel, 2100 Jahre nach dem angeblichen Kontakt mit den Anunnaki, welches eine Sternendarstellung zeigt, die weder mit dem Kenntnisstand der Sumerer noch der Akkader oder späterer Kulturen übereinstimmt, singulär isoliert in den Zeiten hängen auf dem Siegel eines Knechtes aus der Landwirtschaft. Auch die Darstellung der angeblich genauen Planeten ist nicht richtig, wie folgendes Bild eindrucksvoll zeigt.

Literatur

  • SASSON, J. M. (1995). Civilizations of the ancient Near East. New York, NY, Scribner.
  • Sitchin, Z: Der zwölfte Planet, Unterägeri 1979
  • Siebenhaar, W: Fehler und Fehlinterpretationen in den Büchern Zecharia Sitchins, SAS 2 (1995), S. 58 - 67
  • Siebenhaar, W: Sitchin und die Sumerer, ein Interview mit Dr. K. Abrahamson, G.R.A.L. 3/1995, S. 177 - 179
  • Marzahn, J.: Zur sumerischen Sternkarte des Vorderasiatischen Museums, Sterne und Weltraum 7/95, S. 524; G.R.A.L. 4, 95, S. 224-230.

Links

1)
Sitchin 1976
2)
Die Inschrift lautet: Illiat, der Knecht von Dubsiga.
3)
SASSON 1995
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