Die Inschrift von Paraiba / Parahyba

Die Inschrift von Paraíba (oder Tafel von Parahyba) ist eine Tafel mit phönizischen Inschriften, die in Brasilien entdeckt wurde. Sie soll den Beweis für einen Kontakt zwischen den Phöniziern und dem präkolumbianischen Amerika liefern.

aus Netto L.: (1885) L Inscription de la Parahybia

Der Inhalt der Tafel ließ sich wie folgt übersetzen: „Wir Söhne Kanaans sind aus der Stadt Sidon, Schiffsvolk und Händler, wurden geworfen an dieses ferne Ufer, ein Land der Berge. Wir opferten einen Jüngling für die erzürnten Götter und Göttinnen. Im neunzehnten Jahr des Hiram, unseres mächtigen Königs, des Führers, da gingen wir von Ezjon-Geber aus auf das Schilfmeer, und wir brachen auf mit zehn Schiffen, und wir waren auf dem Roten Meer miteinander. Zwei Jahre umfuhren wir das heiße Land, das Ham gehört, dann wurden wir getrennt von Jerub-Baal und wir betrauerten unsere Gefährten und wir kamen hierher, zwölf Männer und drei Frauen, auf eine Insel des Waldes, welche ich, Methu-Astart, der Führer, weihte als Eigentum der Götter und Göttinnen. Sie seien uns gnädig.“

Klassische Erklärung

1872 wurde im heutigen João Pessoa, früher Parahyba, an der Ostküste Brasiliens von einem Sklaven eine Tafel entdeckt. Joaquim Alves da Costa, der Sohn des Sklavenbesitzers, malte die Buchstaben ab und schickte sie an das Instituto Historico Geographico do Brasil (IHGB) in Rio de Janeiro. Der genaue Fundort soll Pauso Alto in der Nähe des Paraíba-Flusses gewesen sein. Ein Jahr später veröffentlichte der Direktor des brasilianischen Nationalmuseums Ladislao Souza Mello Neto eine Abschrift dieser Tafel, womit der Text und diverse kontroverse Übersetzungen ihren Anfang in der Presse nahmen. 1) Der aufmerksame Leser wird sicher festgestellt haben, welches Problem es bei der Inschrift von Parahyba gibt. Die Tafel selbst ist nirgends aufgetaucht, es gibt eigentlich nur die Abzeichnung oder besser das Faksimile dieser angeblichen Inschrift, weswegen man zwar ausgiebig darüber streiten, aber im Endeffekt keinerlei Aussage treffen kann, da die Tafel wahrscheinlich niemals existiert hat.

Literatur

  • Netto L.: (1885) L Inscription de la Parahybia. http://www.obrasraras.museunacional.ufrj.br/o/0040/0040.pdf
  • Schlottmann, C.: (1874) Die sogenannte Inschrift von Parahyba. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. 28.
  • Gordon, C.H.: (1968) The Authenticity of the Phoenician Text from Parahyba. In: Orientalia. 37.
  • Cross, F.M.: (1968) The Phoenician Inscription from Brazil. A Nineteenth-Century Forgery. In: Orientalia 37.
  • Delekat, L.: (1969) Phönizier in Amerika. Die Echtheit der 1873 bekanntgewordenen kanaanäischen (altsidonischen) Inschrift aus Paraiba in Brasilien nachgewiesen. In: Bonner biblische Beiträge 32.
  • MUCK, O. H. (1978). The secret of Atlantis. New York.
  • SITCHIN, Z. (1992). Versunkene Reiche: der Ursprung der Zivilisation im Reiche der Maya und Inka. München
  • Böhm, G.: (1993) Die iberische Inschrift von Paraíba in: Beiträge zur Afrikanistik 46 . Wien.
  • MARKOE, G. (2003). Die Phönizier. Darmstadt.
  • JOSEPH, F., & SITCHIN, Z. (2006). Discovering the mysteries of ancient America: lost history and legends, unearthed and explored. Franklin Lakes, NJ.
1)
Die Tafel löste jahrzehntelange Diskussionen aus und wurde letztendlich zur Fälschung erklärt. Zur damaligen Zeit wurden viele angebliche phönizische Artefakte, z. B. Münzen, in Südamerika entdeckt, die sich später als Fälschung herausstellten, sog. Moabitica) 1968 untersuchte der amerikanische Orientalist Cyrus H. Gordon die Abschrift und hielt sie aufgrund neuerer Erkenntnisse über die phönizische Sprache für echt. Van den Branden, ein Kollege Gordons, datiert den Inhalt der Tafel aufgrund des verwendeten phönizisch-hebräischen Dialektes auf etwa 800 v. Chr.. Gordon dagegen datiert den Text auf ca. 500 v. Chr.. Der Wiener Afrikanist und Berberologe Gerhard Böhm hält einige Fragmente der Inschrift für iberischen Ursprungs, die Gesamtinschrift aber für eine Fälschung des 19. Jahrhunderts. Nach F.M. Cross ist die Inschrift „a pathetic mishmash of linguistic forms, of spellings, and of scripts of various dates and places patched together from nineteenth-century handbooks […] a plain fraud.“
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